Posterforum

Zielerreichung bei Patienten nach Hüft-/Beckenfraktur mit kognitiven Einschränkungen

Samstag, 14:58-15:05 Uhr

Referent/in

Michaela Groß

Hintergrund

Hüft- und Beckenfrakturen gehören zu den häufigsten sturzbedingten Verletzungen. Neben anderen Faktoren gelten kognitive Einschränkungen als starker Prädiktor für eine verzögerte oder reduzierte funktionelle Wiederherstellung. 40% aller Hüft-/ Beckenfrakturpatienten weisen kognitive Einschränkungen auf. Durch eine individuelle Zielsetzung und Einbeziehung der Patienten in die Interventionsplanung kann der Behandlungserfolg erhöht, sowie die Motivation und die Zufriedenheit der Patienten im Training und in der Therapie gesteigert werden. Kognitiv eingeschränkten Personen wird die Fähigkeit realistische Ziele setzten und evaluieren zu können jedoch oft aberkannt.

Zielsetzung

Ziel der Studie war es zu überprüfen in wieweit eine Evaluation von Zielen für Patienten nach Hüft- oder Beckenfraktur mit schwacher bis mittlerer kognitiver Einschränkung möglich ist. Des Weiteren sollten prädiktive Faktoren und Einflussfaktoren auf die Zielerreichung in dieser Zielgruppe bestimmt werden.

Methode

Die Evaluation von individuellen Aktivitätszielen fand im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie statt. Im Zeitraum 2015-2019 wurden 57 Probanden der Interventionsgruppe mit kognitiven Einschränkungen (MMST-2 17-26) und Hüft-Beckenfraktur zwei bis sechs Wochen nach Entlassung aus der geriatrischen Rehabilitation ins häusliche Umfeld durch Physiotherapeuten mittels eines Kartensets zu ihren Zielen befragt. Die Aktivitätsziele wurden priorisiert und ein bis drei Interventionsziele festgelegt. An Hand einer 5-stufigen Skala (nicht möglich – sicher selbstständig) wurden diese bzgl. Unterstützungsbedarfs spezifiziert und nach ca. 4 Monaten im Rahmen eines weiteren Hausbesuchs durch den Patienten und den Physiotherapeuten unabhängig voneinander an Hand der Goal Attainment Scale bewertet. Ein positives Ethikvotum lag vor Einschluss des ersten Patienten vor.

Ergebnisse

Anhand des Posters wird die Anwendung der Goal Attainment Scale bei kognitiv eingeschränkten Hüft-/Beckenfrakturpatienten nach Entlassung aus der Rehabilitation im häuslichen Umfeld vorgestellt. Neben der Frage, ob die Anwendung der GAS in dieser Zielgruppe sinnvoll ist, wird erläutert ob und welche prädiktive Faktoren es für die Zielerreichung in diesem Patientenklientel gibt. Es werden Unterschiede in der Zielerreichung bei bestimmten Untergruppen, sowie Einflüsse verschiedener Faktoren auf die Zielerreichung benannt.

Schlussfolgerung:

Die Erkenntnisse aus der Studie sollen dazu beitragen den Bedarf der Zielgruppe besser zu verstehen und die Versorgungsqualität zu verbessern. Es soll eine Möglichkeit zur objektiven Zielevaluation im Therapieprozess bei kognitiv eingeschränkten Patienten gezeigt werden. Durch das Vorgehen werden wichtige Therapieziele wie die Förderung der Selbständigkeit und Autonomie aufgegriffen.

Literaturangaben

Stoole P, Awad M, Byrne K, DeForge R, Clements S, Glenny C. A multy-site study of the feasibility and clinical utility of Goal Attainment Scaling in geriatric day hospital. Disability&Rehabilitation 2012; 34 (20-21): 1716 – 1726

Toto PE, Skidmore ER, Terhorst L, Rosen J, Weiner DK,. Goal Attainment Scaling (GAS) in geriatric primary care: A feasibility study. Archives of Gerontology and Geriatrics 2015; 60: 16 – 21

Bouwens SFM, van Heugten CM, Verhey FRJ: Review of Goal Attainment Scaling as a Useful Outcome Measure in Psychogeriatric Patients with Cognitive Disorders. Dement Geriatric Cogn Disord 2008; 26: 528 – 540