Posterforum

Interprofessionelles Lernen mit Medizinstudierenden – Erkenntnisse für die Physiotherapieausbildung

Samstag, 15:12-15:19 Uhr

Referent/in

Jutta Hinrichs

Hintergrund

Zukünftige Fachkräfte in den Gesundheitsberufen sollen während ihrer Ausbildung angemessen z.B. durch interprofessionelles Lernen auf die Zusammenarbeit in der Patientenversorgung vorbereitet werden. In einem von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekt wurden sieben interprofessionelle Lerneinheiten mit unterschiedlichen fachlichen Inhalten und verschiedenen Lehrformaten entwickelt, in denen PhysiotherapieschülerInnen über die Ausbildung verteilt mit Medizinstudierenden mit-, von- und übereinander lernen.

Zielsetzung und Fragestellung

Die Lerneinheiten wurden mehrfach erprobt und evaluiert. Die Teilnehmerzufriedenheit der PhysiotherapieschülerInnen mit den neuen Lerneinheiten sollte helfen, effektive Elemente des interprofessionellen Lernens für die Physiotherapieausbildung zu identifizieren.

Methoden

An den Lerneinheiten nahmen insgesamt 124 Physiotherapieschüler z.T. mehrfach teil. Nach jeder Lerneinheit bewerteten sie anonym die Lerneinheit mit einem selbstentwickelten Fragebogen mit offenen und geschlossenen Fragen, wobei die Teilnehmenden für die zusammenfassende Gesamtbeurteilung jeder Lerneinheit eine abschließende Schulnote vergaben (1 = sehr gut, 6 = ungenügend).

Ergebnisse und Diskussion

Es zeigte sich, dass vor allem der klinische Einsatz auf der interprofessionellen Ausbildungsstation am besten bewertet wurde, gefolgt von der Hospitation der Medizinstudierenden bei PhysiotherapieschülerInnen und der Übungseinheit zu Untersuchungstechniken der Extremitäten. Die interprofessionelle Ausbildungsstation bietet die Gelegenheit, die interprofessionelle Zusammenarbeit im klinischen Alltag real zu üben. Bei der Hospitation und der Übungseinheit können die PhysiotherapieschülerInnen ihre Expertise zeigen und weitergeben. Besonders das Lernen im Tandem oder in relativ ausgewogenem Verhältnis der beiden Berufsgruppen wird als Vorteil betrachtet.

Schlussfolgerung

Regelmäßiges interprofessionelles Lernen ermöglicht Physiotherapieschülern, den berufsgruppenübergreifenden Austausch zu üben, das Rollenverständnis zu vertiefen und Medizinstudierenden die eigene Expertise zu vermitteln, aber auch das Berufsfeld der Ärzte besser kennen zu lernen. Das Lernen in gemischten Kleingruppen kann so eine gute Basis für die interprofessionelle Zusammenarbeit im zukünftigen Berufsalltag bilden.

Literatur (Auswahl)

  • Walkenhorst, U., et al. (2015). „Position statement GMA Comittee – “Interprofessional Education for the Health Care Professions”.“ GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung 32(2): 1-19.
  • WHO (2010). Framework for action on interprofessional education and collaborative practice. Genf: World Health Organisation Press.
  • Robert Bosch Stiftung, Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (2016) Interprofessionelle Ausbildung. Themenheft der GMS Journal for Medical Education (JME). Robert Bosch Stiftung, Stuttgart.