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Eine sektorenübergreifende, multifaktorielle Intervention für kognitiv eingeschränkte ältere Menschen nach Hüft- oder Beckenfraktur: Erste Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie

Samstag, 14:44-14:51 Uhr

Referent/in

Anja Dautel

Zielsetzung und Fragestellung

Hüft- /Beckenfrakturen gehören zu den folgenreichsten sturzbedingten Verletzungen im Alter. Das gleichzeitige Vorliegen kognitiver Einschränkungen führt häufiger zu nachfolgender Pflegebedürftigkeit. Zudem erhöht sich in dieser Population das Risiko für weitere Stürze mit Frakturfolge. Bisher gibt es kaum Erkenntnisse über (kosten-)effektive Interventionsprogramme im Anschluss an die stationäre Rehabilitation und nach Rückkehr in die eigene häusliche Umgebung. Ziel der Studie ist die Überprüfung eines sektorenübergreifenden, multifaktoriellen Heimprogrammes im Hinblick auf körperliche Aktivität und zur Optimierung der häuslichen Versorgung.

Methoden

Die Rekrutierung von 240 Hüft-/Beckenfrakturpatienten mit kognitiven Einschränkungen (MMST-2 17-26) erfolgte zum Ende der stationären Rehabilitation.

Die 4-monatige Intervention beinhaltet ein durch Physiotherapeuten/ Sportwissenschaftler erstelltes und regelmäßig supervidiertes, individuell angepasstes, progressives Trainingsprogramm (Kraft, statisch/dynamisches Gleichgewicht) und (Teil-)Aktivitäten entsprechend der persönlichen Ziele der Teilnehmenden. Es findet 2-mal wöchentlich statt und wird durch geschulte Ehrenamtliche (Laieninstruktoren) unterstützt (Modul 1). Dieses Modul ist eng verknüpft mit einer (Pflege-)Beratung mit Schwerpunkt Aktivitäts-und Partizipationsförderung für die Patienten und ihre Angehörigen (falls vorhanden) (Modul 2).

Primäre Endpunkte sind objektiv erfasste körperliche Aktivität (Gehzeit/3 Tage, ActivPAL™) und motorische Leistungsfähigkeit (Short Physical Performance Battery). Als sekundäre Endpunkte werden Sturzangst, sturzassoziierte Selbstwirksamkeit, Stürze, Lebensqualität, Depressivität und Aktivitäten des täglichen Lebens erhoben. Messzeitpunkte sind am Ende der Rehabilitation, vor (Baseline, in häuslicher Umgebung) und nach Ende der Intervention (4 Monate) sowie nach weiteren 3 Monaten (Follow-up). Neben Completer- und Intention-to-Treat-Analysen erfolgt eine gesundheitsökonomische Evaluation.

Auftakt der Studie war im Februar 2015, der Interventionszeitraum endet im Mai und die letzten Follow-up-Erhebungen folgen im Oktober 2018.

Ergebnisse

Es wird angenommen, dass der Interventionsansatz zu einer verbesserten Nachsorge kognitiv eingeschränkter älterer Menschen nach Hüft-/Beckenfraktur führt. Es ist die weltweit erste Intervention, die speziell für diese vulnerable Zielgruppe entwickelt wurde, und alle Ebenen der International Classification of Functioning (ICF) in der wichtigen Übergangsphase von der Rehabilitation in den häuslichen Alltag gezielt aufgreift. Der Einbezug geschulter Ehrenamtlicher als Trainingsbegleiter könnte eine kosteneffektive Ergänzung zur Regelversorgung bedeuten. Physiotherapeuten übernehmen bei diesem Ansatz die Rolle des Trainingsleiters und Mentors. Es handelt sich um ein vom BMBF gefördertes Projekt. Im Rahmen des Bundeskongresses sollen erste Ergebnisse präsentiert werden.

 

Quellen (Auswahl)

Seitz DP, Adunuri N, Gill SS, Rochon PA. Prevalence of dementia and cognitive impairment among older adults with hip fractures. J Am Med Dir Assoc. 2011; 12:556–64.

Chu CH, Paquin K, Puts M, McGilton KS, Babineau J, van Wyk PM. Community-Based Hip Fracture Rehabilitation Interventions for Older Adults with Cognitive Impairment: A Systematic Review. JMIR Rehabil Assist Technol. 2016; 3:e3.

Diong J, Allen N, Sherrington C. Structured exercise improves mobility after hip fracture: a meta-analysis with meta-regression. Br J Sports Med. 2016;50:346–55.