Posterforum

Chancen und Grenzen der Prozessoptimierung an den Schnittstellen der ambulanten Hilfsmittelversorgung

Samstag, 14:51-14:58 Uhr

Referent/in

Carmen Driemel

Hintergrund

Für Menschen mit Behinderung stellen Hilfsmittel, wie z.B. Rollstühle, eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dar (1). In den folgenden Jahren ist angesichts der demografischen Entwicklung sowie der wachsenden Zahl älterer, chronisch und mehrfach erkrankter Menschen mit einem Anstieg des Hilfsmittelbedarfs und der Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen zu rechnen (2). Der Prozess der ambulanten Hilfsmittelversorgung wird durch das Vorhandensein verschiedener Akteure bestimmt. An den Schnittstellen können Beeinträchtigungen der Versorgungsqualität, wie lange Wartezeiten, entstehen. Die zentrale Frage der vorliegenden Studie lautet: Welche Chancen und Grenzen ergeben sich für die Prozessoptimierung an den Schnittstellen der ambulanten Hilfsmittelversorgung? Das Ziel der Studie ist es, Sichtweisen verschiedener Prozessbeteiligter der Hilfsmittelversorgung in Bezug auf fördernde und hemmende Einflussfaktoren an den Schnittstellen der ambulanten Hilfsmittelversorgung zu eruieren.

Methode

Vier Prozessbeteiligte der ambulanten Hilfsmittelversorgung wurden mithilfe des problemzentrierten Interviews befragt: eine Physiotherapeutin, ein Betreuer des ambulanten betreuten Wohnens, ein Orthopädietechniker, ein Rollstuhlnutzer mit Mehrfachbehinderung. Zur Umsetzung forschungsethischer Prinzipien erfolgte u.a. eine Informierung über die Freiwilligkeit an der Teilnahme und die Möglichkeit des Interviewabbruchs. Für den Interviewpartner mit Mehrfachbehinderung wurde das Intervieweinverständnis durch den rechtlichen Betreuer erteilt. Eine Überforderung innerhalb des Interviews wurde vermieden.

Die Datenauswertung erfolgte in Anlehnung an die Methode der Grounded Theory (3).

Ergebnisse

Die Auswertung der Interviews stellt als Chance für eine Prozessoptimierung die schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Perspektiven aller Prozessbeteiligter der Hilfsmittelversorgung dar. Kooperation wird als wichtiger Faktor für eine Verkürzung der Versorgungsdauer und Qualitätsverbesserung der Hilfsmittelversorgung ermittelt. Als Grenzen einer Umsetzung der Zusammenarbeit lassen sich fehlende Kooperationsbereitschaft und Konfliktlinien zwischen den Akteuren identifizieren.

Schlussfolgerung

Eine Prozessoptimierung an den Schnittstellen kann zu einer Qualitätsverbesserung der ambulanten Hilfsmittelversorgung einschließlich einer Verbesserung der Teilhabechancen für Menschen mit Behinderung beitragen. Die Zusammenarbeit aller Prozessbeteiligten wird hier als zentrales Element verstanden. Eine Überarbeitung der Rahmenbedingungen für die Hilfsmittelversorgung sowie die Erarbeitung von Ausbildungsmodulen zur Vorbereitung auf interdisziplinäre Zusammenarbeit sind erforderlich.

Schlüsselwörter

Prozessoptimierung, Hilfsmittelversorgung, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Menschen mit Behinderung, Teilhabe

Literatur

1) Gemeinsamer Bundesausschuss (2016). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesauschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Hilfsmittel-Richtlinie/HilfsM-RL). Zugriff am 23.02.2018 auf: https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1352/HilfsM-RL_2016-11-24_iK-2017-02-17.pdf

2) Sauer K., Rothgang H., Glaeske G. (2014). Barmer GEK Heil-und Hilfsmittelreport 2014. BARMER GEK, Bd. 28, Siegburg: Asgard Verlagsservice GmbH

3) Strauss A., Corbin J. (1996). Grounded Theory: Grundlagen Qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Psychologie Verlags Union