SYMPOSIUM NEUROPHYSIOTHERAPIE

Komplementäre Therapie – Klettern in der Neurophysiotherapie

Samstag, 09:00-09:30

Referent/in

Dr. phil. Claudia Kern

Zielsetzung

Die Sicherung der Teilhabe am Leben ist zentraler Bestandteil der Therapie neurologischer Erkrankungen. Um der wachsenden Nachfrage in unserer Gesellschaft gerecht zu werden, sind neue, qualitativ hochwertige Therapieprogramme notwendig. Trotz nachgewiesener positiver Ergebnisse erweist sich eine Übertragung körperlicher Aktivität aus der Therapie in den Alltag sowie eine Motivation zum „lebenslangen Sporttreiben“ schon bei Gesunden als schwierig. Hier setzt die Klettertherapie an und bietet eine innovative Möglichkeit in der Neurorehabilitation verankerte Ziele zu adressieren. Der Vortrag zeigt den Nutzen des therapeutischen Kletterns für neurologische Patienten.

Wirkdimensionen von Klettern

Das Klettern ist eine „motorische Urform menschlicher Bewegung“ und kann bei der Reorganisation bekannter Bewegungsmustern helfen. Als komplexe Sportart vereint es verschiedene Beanspruchungsformen und stellt hohe Ansprüche an körperliche sowie psychische Fähigkeiten. Klettern umfasst also die Kernelemente sportlicher Handlungsfelder. Auch die im motorischen Lernen geforderten Ziele, wie das „taskorientierte Training“, repetitive Üben, eine „hands-off-Konzeption“ und eine kontinuierliche Trainingsprogression, können im Klettern erreicht werden. Im Vergleich zu gängigen konservativen Therapiekonzepten beinhaltet diese Therapieform zusätzlich eine hohe Motivation und Stück „Normalität“ für die Betroffenen.

Maßnahmen und Konzepte

Der Gestaltung der Kletterbewegung kommt eine entscheidende Bedeutung zu, um das jeweilige Ziel zu erreichen. Das Arbeiten im Therapeutischen Klettern erfolgt Ressourcen-orientiert. Erläutert werden Therapiekonzepte im Klettern anhand einzelner Beispiele. Es werden Daten aus der Studie Therapeutisches Klettern mit Multiple Sklerose (TKMS) und die Organisation und  Anwendung in der täglichen Praxis vorgestellt.

Ausblick

Eine begleitende symptomatische Therapie und die nachfolgende Integration körperlicher Aktivität in den Alltag besitzen in der Neurophysiotherapie einen hohen Stellenwert. Neue Konzepte, wie die im Therapeutischen Klettern, können eine nachhaltige sportliche Aktivität anbahnen. Angestrebt werden eine Unterstützung dieser Konzepte und die Überarbeitung des Maßnahmenkatalogs möglicher „Rehabilitations-Sportarten“, so dass die Inhalte und Strukturen aus der Neurophysiotherapie optimal genutzt und weitergeführt werden können.

Literatur:

Kowald A-C/ Zajetz A: Therapeutisches Klettern. Anwendungsfelder in der Psychotherapie und Pädagogik, Schattauer Verlag, Stuttgart, 2015

Velikonja O, Curic K, Ozura A: Influence of sports climbing and yoga on spasticity, cognitive function, mood and fatigue in patients with multiple sclerosis. Clinical neurology and neurosurgery 2010; 112(7):597-601

Kern C, Elmenhorst J, Oberhoffer R: Effect of sport climbing on patients with multiple sclerosis – hints or evidence? Neurol Rehabil 2013;19 ((4)):247-256