SYMPOSIUM NEUROPHYSIOTHERAPIE

Das Ganglabor – neue Potentiale in der neurologischen Gangrehabilitation?

Samstag, 12:20-12:40

Referent/in

Anne Boese

Inhalt

Die Therapie erworbener Hirnschädigungen stellt eine besondere Herausforderung dar, da wissenschaftlich empfohlene  Intensitäten durch konventionelle Therapien im Klinikalltag nicht realisierbar sind.

Vor diesem Hintergrund hat eine neurologische Frührehabilitationsklinik das Konzept eines gerätegestützten Ganglabors entwickelt, das Patienten auf unterschiedlichen Funktionsniveaus und ergänzend zur konventionellen Physiotherapie ein effektives Maß evidenzbasierter Gangrehabilitation bietet.

Das Ganglabor besteht aus vier Übungsstationen (Balance-Trainer, Gangtrainer, Laufband und Easy Walk-System). Die Teilnehmer werden assessmentgeleitet kategorisiert und trainieren in definierten Kleingruppenkonstellationen (5P), angeleitet durch zwei Therapeuten, zielorientiert und individuell an Gehfähigkeit, Balance, Gehstrecke und -geschwindigkeit.

Basierend auf den Erkenntnissen der s2e-Leitlinie ReMoS wurde ein elektronischer Übungskatalog  entwickelt, der unter Berücksichtigung der Ressourcen und Einschränkungen des Patienten, aber auch der entsprechenden evidenzbasierten Parameter geeignete Trainingsprogramme generiert.

Im Ergebnis wurden aktuell 280 Therapieeinheiten pro Woche geschaffen, die von durchschnittlich 93 neurologischen Patienten belegt werden. Eine gleichbleibende Behandlungsqualität kann durch den strukturierten Übungskatalog trotz wechselnder Therapeuten sichergestellt werden. Die Therapieintensität der Gangrehabilitation für den einzelnen Patienten steigert sich um bis zu 250%.

Eine Anfang 2017 durchgeführte Pilotstudie zeigt erste Tendenzen einer Wirksamkeit in Bezug auf die Gehfähigkeit von Schlaganfallpatienten. Eine groß angelegte randomisiert kontrollierte Studie schließt sich im Jahr 2018 an.

Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ist das Ganglabor hoch effektiv. Ausschlaggebend für die Praktikabilität des Ganglabors im Rehabilitationsprozess ist die assessmentbasierte Kategorisierung (Functional Ambulation Categories) der Patienten und die entsprechende Konstellation im Gruppensetting. Mit dem Ganglabor kann damit eine deutliche qualitative und quantitative Intensivierung der Gangrehabilitation nach höchsten Maßstäben der Effektivität und Effizienz realisiert werden bei zugleich ressourcenschonendem Ansatz.

Literatur:

Braun, T., Marks, D., Thiel, Ch., Zietz, D., Zutter, D. & Grüneberg, Ch. (2015)

Dohle, Ch., Quintern, J., Saal, S., Stephan, K.M., Tholen, R., Wittenberg, H. (2015)

Peurala, S.H., Airaksinen, O., Huuskonen, P., Jäkälä, P., Juhakoski, M., Sandell, K., Tarkka, I.M., Sivenius, J. (2009)