SYMPOSIUM NEUROPHYSIOTHERAPIE

Behandlung des akuten Schlaganfalls auf der Stroke Unit aus ärztlicher und PT-Sicht

Freitag, 17:00-17:30 Uhr

Referent/in

Barbara Maurer-Burkhard

Corina Epple

Hintergrund

Der Schlaganfall zählt zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und etwa die Hälfte der betroffenen Überlebenden behalten schwere funktionelle Defizite zurück. Eine potenziell kurative Behandlung ist nur in den ersten Stunden nach Symptombeginn möglich, die medikamentöse Behandlung der Akutphase geht übergangslos in die Sekundärprävention über. Die Patienten profitieren auf der Stroke Unit von einer umfassenden spezifischen Versorgung, die durch ein interdisziplinäres Team gewährleistet wird. Für viele Therapien, die in der Schlaganfalltherapie angewendet werden, wurde nachgewiesen, dass sie die Lebensqualität und das Überleben der Patienten verbessern. Hierzu gehören neben der Behandlung auf einer Stroke Unit, die systemische Thrombolyse, die Hemikraniektomie beim malignen Mediainfarkt und die Thrombektomie bei proximalen Gefäßverschlüssen.

Eine effektive Rehabilitation schließt bereits in der Frühphase die Physiotherapie ein. Hier steht eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden zur Verfügung. Modernere Therapieverfahren nutzen kompensatorische Bewegungsstrategien zur funktionellen Verbesserung oder versuchen über ein bewusstes Trainieren normaler Bewegungsmuster Fehlhaltungen zu korrigieren. Die Reflexlokomotion nach Vojta in der Akut- und Spätbehandlung von Schlaganfall Patienten verfolgt einen anderen Ansatz. Durch eine definierte Reizsetzung an sogenannten Zonen werden bestimmte angeborene Bewegungsmuster ausgelöst. Häufiges Wiederholen dieser Aktivierung des Zentralnervensystems verändert frühzeitig die Spontanmotorik des Patienten, die posturale Steuerung, die räumliche Orientierung, die Aufrichtung und die zielgerichtete Bewegung werden erfolgreich angesprochen.

Methode

Wir führten eine Untersucher-initiierte randomisierte und kontrollierte Pilot-Studie durch, welche die Therapie nach Vojta mit konventioneller Physiotherapie zur motorischen Funktionsverbesserung bei akuten Schlaganfall Patienten (n=40) auf der Stroke Unit verglich.

Ergebnisse

Durch Aktivierung automatischer Bewegungsmuster mittels Vojta-Therapie zeigte sich bei Patienten mit akutem Schlaganfall im Vergleich zu konventioneller Physiotherapie eine Verbesserung der posturalen Kontrolle, des Neglects und der zielgerichteten Bewegungen. Das Studiendesign und vorläufige Ergebnisse werden vorgestellt.

Literaturangaben

Van Peppen RPS, Kwakkel G, Wood-Dauphinee S, Hendriks HJM, Van der Wees PJ, Dekker J.: The impact of physical therapy on functional outcomes after stroke: what’s the evidence? Clin Rehabil. 2004;18(8):833-62.

Epple C, Maurer-Burkhard B, Steiner T: Physiotherapie bei akutem Schlaganfall (Physiotherapy inacute stroke). DIVI 2015;7:70–77. DOI 10.3238/DIVI.2015.0070–0077

Laufens et al: Veränderung der motorischen Fähigkeiten bei Patienten mit MS durch Vojta -Therapie. Rehabilitationsmedizin 1995

Abstract-Verfasser

Corina Epple1, Barbara Maurer Burkhard 2, Prof. Dr. med. Thorsten Steiner 3

1) Fachärztin für Neurologie, Klinik für Neurologie, Klinikum Frankfurt Höchst, Gotenstrasse 6-8, 65929 Frankfurt am Main.

2) Physiotherapeutin , Neurologische Klinik, Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg. Vojta Lehrtherapeutin, IVG e.V.

3) Chefarzt der Klinik für Neurologie, Facharzt für Neurologie und neurologische Intensivmedizin, Klinikum Frankfurt Höchst, Gotenstrasse 6-8, 65929 Frankfurt am Main. Wissenschaftlicher Mitarbeiter Neurologische Klinik, Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg.