MUSKULOSKELETTALE PHYSIOTHERAPIE – WAS WIRKT, WENN ES WIRKT?

Aktivität: Warum benötigen Patienten ein spezielles Programm? Exzentrisches Training am Beispiel des Achillessehnenschmerz

Samstag, 11:35-12:00 Uhr

Referent/in

Stephan Henne

Inhalt

Muskuläre Beschwerden nehmen ein breites Spektrum in der physiotherapeutischen Praxis ein.

In der Regel werden die Erklärungen dafür, in einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit, gesucht.

Bisher wurden in der älteren Literatur Schlüsselbegriffe wie: Overload/Overuse, „Repetetive  Strain Injury“ (RSI) oder Enthesiopathien verwendet. Die neuere Literatur versucht die Beschwerdebilder unter dem Oberbegriff „Myofascial  Pain“ zu beschreiben. Aktuelle experimentelle Studien  in der Forschungsgruppe um R. Schleip/T. Myers, zeigen vor allem durch die Möglichkeit neuer bildgebender Verfahren für das Bindegewebe, neue Sichtweisen auf. In der Faszientherapie werden alle Gewebe, als eine zusammenhängende funktionelle Einheit, beschrieben. Hieraus ist ein neuer „Hype“ in der Physiotherapie entstanden. Es gibt wohl keinen Bereich in der Physiotherapie, in der in so kurzer Zeit, so viel, veröffentlich worden ist.

Alte und bewährte Behandlungsmethoden (Rolfing, Bindegewebsmassage, Triggerpunktbehandlung, Manuelle Therapie, Tai Chi, Qui Gong, Yoga etc.) werden neu erfunden und die Industrie stellt eine Unmenge an Hilfsmitteln dafür zur Verfügung.

Neu daran ist jedoch nur die Betrachtungsweise. Nach wie vor gibt es keine evidenzbasierten Studien für  Behandlungssätze in der Faszientherapie.

Muskuläre Schmerzzustände wie Adduktorenbeschwerden, Patellaspitzensyndrome , Achillodynie, Muskelverletzungen, scheinen, vor allem auch durch die mediale Präsenz, zu zunehmen.

Bisherige, vor allem passive  Behandlungsansätze scheinen nur symptomatisch und perpetuierend Therapieerfolg zu zeigen. Aktuell scheint Einigkeit darüber herrschen, das nur aktive Methoden einen kausalen Therapieansatz darstellen können. Hierbei hat sich in evidenzbasierten Studien das exzentrische Training hervor getan.

Die „klassische Trainingswissenschaft“ hat sich überwiegend mit konzentrischen Training zur Verbesserung der Muskelleistung beschäftigt. Zu einem exzentrischen Training , zur erhöhten der Belastbarkeit in passiven Strukturen des  Muskels, liefert sie jedoch keine Erkenntnisse.

Einige Studien (z.B. Alfredson Programm) zeigen den Erfolg von exzentrischen Training bei chronischen Reizzuständen der Achillessehne. Unzureichend beschrieben, sind  jedoch  Belastungsnormative, für die Durchführung von einem exzentrischen Training.

  • Dieser Vortrag versucht durch eine funktionelle und biomechanische Analyse:
  • Ursachen für das Missverhältnis von Belastung und Belastbarkeit darzustellen,
  • Pathophysiologische Prozesse zu erklären
  • Bindegewebsphysiologische Anpassungsvorgänge durch exzentrisches Training zu beschreiben
  • Belastungsnormative für exzentrisches Training vorzustellen
  • Umsetzung von Theorie in Praxis zu vermitteln
  • Indikationsspezifische Programme zu demonstrieren am Beispiel von Achillodynien

Literatur

The chronic painful Achilles and patellar tendon: research on basic
biology and treatment
Hakan Alfredson, Scand J Med Sci Sports 2005: 15: 252–259

„Eccentric overload training in patients with chronic Achilles tendinopathy: a systematic review“

J J Kingma, R de Knikker, H M Wittink, et al.
Br J Sports Med 2007

Eccentric exercise in treatment of Achilles tendinopathy.
Nørregaard J, Larsen CC, Bieler T, Langberg H, 2007

Eccentric overload training for patients with chronic Achilles tendon pain–a randomised controlled study with reliability testing of the evaluation methods.
Silbernagel KG, Thomeé R, Thomeé P, Karlsson J, 2001

Interventions for treating acute and chronic Achilles tendinitis
George McLauchlan, Helen HG Handoll, 2001

Treatment of acute Achilles tendon ruptures a systematic overview and metaanalysis (Structured abstract)
M Bhandari, G H Guyatt, F Siddiqui, F Morrow, J Busse, R K Leighton, S Sprague, E H, 2002