MUSKULOSKELETTALE PHYSIOTHERAPIE – WAS WIRKT, WENN ES WIRKT?

Auswirkungen von befundorientierten manualtherapeutischen Techniken bei chronischer Sprunggelenksinstabilität auf die Muskelaktivität und posturale Kontrolle

Freitag, 16:20-16:40 Uhr

Referent/in

Dr. Slavko Rogan

Hintergrund

Aus der Literatur ist bekannt, dass nach einer Sprunggelenksdistorsion 20 – 40% der Patientinnen und Patienten eine chronische Sprunggelenksinstabilität (CSI) entwickeln1. Die führt zur Frage, welche Bedingungen die Entwicklung einer CSI begünstigen. Doherty und Ko-Autoren2, konnten in ihrer Untersuchung aufzeigen, dass CSI-Patientinnen und Patienten im Vergleich zu Personen mit einer Sprunggelenksdistorsion in ihrer Krankengeschichte mehr Rezidive oder Defizite in der der posturalen Kontrolle aufwiesen. Eine beeinträchtigte posturale Kontrolle wird mit einem erhöhten Risiko für Sprunggelenksdistorsionen assoziiert.

Neue Erkenntnisse zeigen, dass passive Mobilisationsmaßnahmen bei CSI-Patientinnen und -Patienten neben der arthrokinematischen Komponente auch neurophysiologische Prozesse im Sinne des Reflexverhaltens beeinflussen3,4. Bisherige Forschungsergebnisse beruhen auf standardisierten Mobilisationstechniken am oberen Sprunggelenk. Jedoch erscheint es für die Praxis relevanter zu sein, wenn befundorientierte Maßnahmen zur Anwendung kommen.

Forschungsziel/Fragestellung

In dieser Forschungslinie stehen folgende Fragen im Mittelpunkt. Führt eine befundorientierte passive Gelenksmobilisation bei Patientinnen und Patienten mit CSI zu Kurz- und Langzeiteffekten auf die Muskelaktivierung und die posturale Kontrolle? Können daraus Therapieempfehlungen abgeleitet werden?

Methode 

In diesem Vortrag wird die Forschungslinie eines CSI-Projekts vorgestellt. Die Forschungslinie ist wie folgt aufgebaut: Zur Vorbereitung der Untersuchungen erfolgte eine systematische Literaturübersichtsarbeit um den aktuellen Forschungsstand zur Forschungsfragestellung darzustellen. Anschließend wurde eine Einzelfall- und Machbarkeitsstudie durchgeführt. Die Einzelfallstudie hatte das Ziel erste Hypothesen zu formulieren. Die Machbarkeitsstudie evaluierte primär die Prozesse wie Durchführbarkeit des Studiendesigns, Zeitmanagement, und Interventionssicherheit. Sekundär wurden kurzfristige als auch langfristige Therapieeffekte ermittelt. Die Hauptstudie erhebt den unmittelbaren und langfristigen Effekt einer befundorientierten manualtherapeutischen Technik in einem Cross-Over-RCT-Design. Dabei soll die neuromuskuläre Aktivität der spunggelenksumgreifenden Muskulatur und das dynamische Gleichgewicht bei Patientinnen und Patienten mit CSI analysiert, interpretiert und diskutiert werden.

Resultate

Die Resultate der durchgeführten systematischen Literaturübersichtsarbeit, Einzelfallstudie und Machbarkeitsstudie werden aufgezeigt. Die Interpretation der Ergebnisse für die Hauptstudie führen zu dem Schluss, dass eine Durchführung nach einer Modifikation des Studiendesigns erfolgen kann. Diese Modifikation wird im Vortrag erläutert.

Schlussfolgerung

Das Studiendesign muss im Blick auf die Hauptstudie hinsichtlich Zielparameter und Studienablauf angepasst werden. Passiv durchgeführte Spunggelenksmobilisationen bei Patientinnen und Patienten mit CSI zeigten das Potential auf, das dynamische Gleichgewicht zu verbessern und die Muskelaktivierung der umliegenden Sprunggelenksmuskulatur aufgrund einer Optimierung der nervengesteuerten Reflexabläufe zu erhöhen. Manuelle Sprunggelenkstechniken sollten nicht nur zur Verbesserung der biomechanischen Komponente der Arthrokinematik eingesetzt werden, sondern auch um neurophysiologische Reflexabläufe zu optimieren.

Literatur

Hintermann, B., Valderrabano, V., Boss, A., Trouillier, H. H., & Dick, W. (2004). Medial ankle instability: an exploratory prospective study of fifty-two cases. American Journal of Sports Medicine, 32(1), S. 183-190.

Doherty, C., Bleakley, C., Hertel, J., Caulfield, B., Ryan, J., & Delahaunt, E. (2016). Dynamic balance deficits in individuals with chronic ankle instability compared to ankle sprain copers 1 year after a first-time lateral ankle sprain injury. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 24(4), S. 1086-1095

Hoch, M. C., & McKeon, P. O. (2011). Joint mobilization improves spatiotemporal postural control and range of motion in those with chronic ankle instability. Journal of Orthopaedic Research, S. 326-332.

Cruz-Díaz, D., Lomas Vega, R., Osuna-Pérez, M. C., Hita-Contreras, F., & Martínez-Amat, A. (2015). Effects of joint mobilization on chronic ankle instability: a randomized controlled trial. Disability and Rehabilitation, 37(7), S. 601-610.