Industrieforum, Galileo Novotec Medical GmbH

Neurophysiologische Grundlagen und Anwendungsbeispiele der seitenalternierenden Mechano –Stimulation

Freitag, 13:00-13:30 Uhr

Referent

N.N.

Zielgruppe

Physiotherapeuten mit Fokus auf Neurorehabilitation

Einleitung

Die seitenalternierende Mechano-Stimulation ist eine Methode zur gezielten Behandlung von Bewegungsstörungen aufgrund chronischer Erkrankungen. Die sinusförmige, sich wiederholende Bewegung führt zu motorischen und neuronalen Lerneffekten, verbessert Haltungskontrolle und Muskeltonus und lindert Spastiken.

Fragestellung

Möglichkeiten der Behandlung von Bewegungsstörungen mit reflektorisch induzierter Mechano-Stimulation

Praxisbezogene Lernziele und Inhalte

Physiologische Grundlagen und Anwendungsbeispiele bei verschiedenen Erkrankungen

Nutzen für die Teilnehmer

Erlernen der Behandlungsmöglichkeiten von Bewegungsstörungen mit seitenalternierender Mechano-Stimulation.

Die  seitenalternierende Mechano-Stimulation  (SAMS) simuliert ein physiologisch sinnvolles Bewegungsmuster ähnlich dem menschlichen Gang. Entsprechend verschiedener Frequenzbereiche können unterschiedliche Effekt erzielt werden:

  1. Niedrige Frequenzen 5-10 Hz: Mobilisierung und Balance
  2. Mittlere Frequenzen 10 – 20 Hz: Dehnung, Lockerung
  3. Hohe Frequenzen 20 – 36Hz: Mobilität, Leistung, Behandlung von Spastik

Während bei niedrigen Frequenzen die Bewegungen der Platte noch willentlich ausgeglichen werden können, ist bei hohen Frequenzen nur eine reflektorische Kontrolle möglich. Daher ist eine Muskelaktivierung möglich, wenn eine willentliche Bewegung aufgrund von Erkrankungen oder Verletzungen nicht mehr erfolgen kann. Durch die hohe Anzahl der Wiederholungen erfolgt eine Abnahme der spinalen Erregbarkeit, was sich in einer Reduktion des H-Reflexes während und nach der Stimulation zeigt. Spastiken werden signifikant reduziert und eröffnen dem Therapeuten ein Zeitfenster für individuelle bewegungsfördernde Maßnahmen. Die willentliche maximale Muskelaktivierung und Co-Aktivierung wird verbessert. Es konnte gezeigt werden, dass insbesondere bei den hohen Frequenzen über 20 Hz die Muskelaktivierung im EMG deutlich zunimmt.

In vielen Krankheitsbildern wie Zerebralparesen, Multiple Sklerose, COPD, Polyneuropathien, nach einem Schlaganfall oder anderen chronischen Erkrankungen zeigt sich eine verbesserte Mobilität, Balance und Muskelfunktion. In der Geriatrie wird die Stimulation für das Training älterer, fragiler und sturzgefährdeter Patienten eingesetzt, um dem Mobilitätsverlust sowie dem daraus resultierenden Muskel- und Knochenabbau effektiv entgegenzuwirken.

Durch die seitenalternierende Form der Bewegung kann auch die Rückenmuskulatur stimuliert werden. Außerdem wird eine zu hohe Transmission der Vibrationen in den Kopfbereich.  vermieden. Die Amplitude der Schwingung lässt sich einfach über die Fußposition verändern. Untersuchungen mit instrumentierten Implantaten im Knie und Hüftgelenk sowie in der Wirbelsäule haben gezeigt, dass die Kräfte im Gelenk während der Therapie geringer sind als beim Gehen oder Treppensteigen. Daher ist die seitenalternierende Mechano-Stimulation eine effektive und sichere Behandlungsmethode für Patienten mit Bewegungsstörungen.