Industrieforum, Theralando GmbH

Neurogene Entzündung – Inhibierungsfaktoren in der Rehabilitation chronischer Overuse Syndrome

Freitag, 16:00-16:30 Uhr

Referent

Frederik Gerber

Einleitung

Bei Overuse Syndromen ist die Absenz eines klassischen Traumas in der Anamnese eines der Hauptleitsymptome. Die verminderte Belastbarkeit des Gewebes ist auf eine Störung im Zyklus der Formatio reticularis zurückzuführen. Hierbei weisen beide komplementären Subsysteme der Formatio reticularis ARAS und DRAS eine Dominanz zugunsten des sympathikophilen ARAS Systems auf. Therapeutisch scheint die CRET-Therapie eine entscheidende Rolle in der Regulation der Formatio reticularis durch Aktivierung des Produktstoffwechsels einzunehmen.

ARAS steht für „aszendierendes retikuläres aktivierendes System“ und basiert auf einer erhöhten Aktivität des sympathikotonen Systems. Zeitlich begrenzt bedeutet dies eine erhöhte Aktivität des ZNS unter Produktion und Nutzung bekannter Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Kortikosteroide. Sind die ARAS Phasen zu lang, entsteht ein chronischen Stresspotential (Herbert&Cohen’93).

Eine anhaltende erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems hat für alle Gewebe und Organe des menschlichen Organismus Folgen (Schuitemaker&Egmonds’14):

  • im Bereich der Muskulatur kommt es zu Tendomyosen, die sich durch muskuläre Hypertonie, verminderte Bindegewebeelastizität und eine Abnahme der
    propriosensorischen Innervationsdichte definieren.
  • im Bereich der synovialen Gelenke kommt es zur qualitativen und quantitativen veränderten Synoviasynthese, einer verringerten Elastizität der Membran Fibrosa und einer
    erhöhten Empfindlichkeit der Nozisensoren. Parallel kommt es auch hier zur Abnahme der propriosensorischen Innervationsdichte.
    im Bereich der Haut sind ein Defizit in der Elastizität, eine erhöhte Nozizeption sowie ein erhöhter Tonus der Mm. rector Pils zu beschreiben.
  • im Bereich aller Zellformen, die sich aus dem Mesenchym entwickelt haben, kommt es zueiner Abnahme des Produktstoffwechsels unter Verlust der Proliferationsleistung

Werde diese Faktoren in der Rehabilitation nicht berücksichtigt, können sich segmentale Störungen supraspinal, kortikal und suprakortikal manifestieren (van Cranenburgh’87). Dies zu verhindern, muss Aufgabe der Physiotherapie bei chronischen, unspezifischen Overuse Syndromen sein. Schwerpunkte im Therapieansatz müssen die Faktoren des interdisziplinären biopsychosozialen Ansatzes berücksichtigen. Der Physiotherapie obliegt es hierbei, primär den biologischen Bereich zu optimieren und Einflussgrößen zu minimieren, die den Basisstoffwechsel der blastischen Zellformen aufrecht erhalten.

Besondere Aufmerksamkeit kann hier den Arbeiten von Hernandez-Bule4 aus dem Jahr 2014 zukommen. Hernandez-Bule konnte zeigen, dass die Proliferationsleistung der blastischen Zeltformen unter einer Elektrotherapie-Applikation von 448Khz mittels CRET-Technik bis zu 25 Prozent ansteigen. Ausschlaggebend hierfür dürfte die vermehrte intrazelluläre Sauerstoffaufnahme sein, die als Antwortreaktion auf die CRET Technik verstanden werden kann. CRET steht für „capazitiv, resistiv energy transfer“ und stellt eine besondere Form einer
hochfrequenten Wechselstrom Applikation dar. Dabei scheint es, dass die gleichbleibende Anwendung mit 448KHz, unabhängig vom Gewebewiderstand, einen entscheidenden Anteil bei der Therapie von neurogenen Entzündungen haben kann.