Freie Vorträge

Prädiktoren persistierender Schmerzen nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese – eine explorative Studie

Samstag, 14:50-15:10 Uhr

Referent/in

Tanja Boßmann, M.Sc.

Hintergrund

Die Implantation eines künstlichen Kniegelenks ist eine häufige operative Maßnahme bei Patienten mit Kniearthrose. Durchschnittlich 20 Prozent der Patienten verbessern sich allerdings nicht adäquat und leiden langfristig unter chronischen Schmerzen mit negativen Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens und die Lebensqualität.

Fragestellung

Ziel der Studie war die Identifizierung von modifizierbaren Prädiktoren für die Entwicklung persitierender Schmerzen nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese

Methoden

98 Patienten, die für die Implantation einer Knie-Totalendoprothese angemeldet waren, wurden anhand definierter Ein- und Ausschlusskriterien hinsichtlich ihrer Eignung für die Teilnahme an der Studie überprüft. 56 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien und gaben ihre schriftliche Zustimmung zur Teilnahme. Es wurde ein präoperatives Screening mit folgenden Untersuchungen durchgeführt: Messung der Herzratenvariabilität, Evaluation der temporalen Summation sowie der endogenen Schmerzhemmung (Conditioned Pain Modulation Effekt) und Untersuchung der Schmerzkatastrophisierung. Schmerz, Steifigkeit und Funktionsfähigkeit wurden mit dem WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index) abgefragt. Primäre Zielgröße zum Follow-up nach sechs Monaten war die Schmerzintensität (Subskala WOMAC-pain). Es wurde eine Kovarianzanalyse (ANCOVA) mit Bootstrapping durchgeführt.

Die Studie wurde von der zuständigen Ethik-Kommission begutachtet und ein positives Votum erteilt. Zudem wurde die Studie im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS) registriert.

Ergebnisse

Insgesamt konnten die Daten von 47 Patienten (85.5%) analysiert werden. Die Auswertung zeigte einen signifikanten inverse Zusammenhang zwischen der Herzratenvariabilität und der postoperativen Schmerzintensität (beta = -1.7, p = 0.04). Bei Männern war eine reduzierte körpereigenen Schmerzhemmung nicht assoziiert mit der Schmerzintensität postoperativ (beta = -0.06, p = 0.8). Bei Frauen konnte diesbezüglich ein nicht signifikanter inverser Zusammenhang gefunden werden (beta = -0.46, p = 0.19).

Schlussfolgerung

Eine verminderte Herzratenvariabilität hat möglicherweise einen negativen Einfluss auf die Schmerzintensität nach sechs Monaten. Bei Frauen könnte zudem eine reduzierte endogene Schmerzhemmung assoziiert sein mit vermehrten Schmerzen. Beide Parameter sind therapeutisch modifizierbar und sollten daher in künftigen Studien mit größeren Fallzahlen weiter untersucht werden.

Literatur

Lungu E, et al. 2016. Preoperative determinants of patient-reported pain and physical function levels following total knee arthroplasty: a systematic review. Open Orthop. J. 10, 213–231

Sakellariou VI, et al. 2016. Risk assessment for chronic pain and patient satisfaction after total knee arthroplasty. Orthopedics 39(1), 55–62

Tracy LM, et al. 2016. Meta-analytic evidence for decreased heart rate variability in chronic pain implicating parasympathetic nervous system dysregulation. Pain 157(1), 7–29