Freie Vorträge

Entwicklung eines Booklets für Physiotherapeuten zur Behandlung von Patienten mit zerebellärer Ataxie

Samstag, 15:30-15:50 Uhr

Referent/in

Sophie Kliem

Relevanz/Hintergrund

Kleinhirnläsionen sowohl vaskulärer als auch degenerativer Herkunft gehen häufig mit einer Ataxie einher (Dodel & Klockgether, 2010). Die Betroffenen sind nicht in der Lage harmonische Bewegungen willkürlich durchzuführen, was erhebliche Einschränkungen im Alltag zur Folge hat (Mattle & Mumenthaler, 2006). Je nach dem welcher Anteil des Kleinhirns betroffen ist, zeigen sich unterschiedliche Arten von Ataxien. So führt beispielsweise eine Läsion einer Kleinhirnhemisphäre zu einer ipsilateralen Extremitätenataxie (Dietrichs, 2008).
Durch die neuronale Plastizität kann das Kleinhirn solche Ausfälle kompensieren und so die Symptomatik verringert werden (Saywell et al., 2008).
In der aktuellen Leitlinie für Ataxien des Erwachsenenalters wird demgemäß regelmäßige Physiotherapie empfohlen (Klockgether, 2015). Die Inhalte dessen werden jedoch nicht explizit beschrieben, sodass ein Praxistransfer nicht möglich ist.

Forschungsziel/Fragestellung

Da es in jener Leitlinie folglich an transparenten Informationen mangelt, hat diese Arbeit zum Ziel, die Lücken zu füllen und durch ein erstelltes Booklet vorhandene Evidenzen übersichtlich darzustellen, sodass ein Transfer in den Praxisalltag ermöglicht wird.

Klinische Implikation/en

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sensomotorisches Training, bestehend aus Gleichgewichtstraining, Krafttraining und Gangtraining, eine sinnvolle Möglichkeit zur Symptomlinderung darstellen. Zusätzlich sollte eine Schulung der Augenmotorik mit in die Therapie eingebunden werden.
Das erarbeitete Buch bedarf einer ausführlichen Pilotierung und Evaluierung durch Therapeuten. Dennoch stellt es eine transparente Auswahl an Übungen dar, die dem Physiotherapeuten eine individuell auf den Patienten abgestimmte Behandlung erlauben. Die Bedeutung der Arbeit liegt sowohl in der Erweiterung evidenzbasierter Behandlungs-möglichkeiten in Bezug auf zerebelläre Ataxien, als auch in der Praktikabilität des Booklets. Die Ergebnisse wurden gebündelt und einfach dargestellt, sodass eine Implementierung in den Klinikalltag gewährleistet ist. Durch Kopiervorlagen können Hausübungen ausgehändigt werden. Zusätzlich ist ein Assessment zur Evaluierung der Therapie im Heft integriert.

Gliederungspunkte

  • Das Kleinhirn als Bewegungskoordinator
  • Bookletvorstellung
    1. Störungen der Okulomotorik
    2. Akut- und Langzeitbehandlung
    3. Zusatzinformationen
  • Klinische Implikationen und Evaluation

Literatur

Dodel, R. & Klockgether, T. (2010). Roter Faden Neurologie. Stuttgart: Wissenschaftli-  che Verlagsgesellschaft.           

Dietrichs, E. (2008). Clinical manifestation of focal cerebellar disease as related to the organization of neural pathways. Acta Neurologica Scandinavica, 188 (1), 6-11.

Klockgether, T. (2015). Ataxien des Erwachsenenalters. Zugegriffen am 20.10.2015 über http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-031l_S1_Ataxien_des_ Erwachsenenalters_2012-verl%C3%A4ngert.pdf

Mattle, H. & Mumenthaler, M. (2011). Kurzlehrbuch Neurologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

Saywell, N. & Taylor, D. (2008). The role of the cerebellum in procedural learning – Are there implications for physiotherapists’ clinical practice? Physiotherapy Theory and    Practice, 24 (5), 321-328.