Freie Vorträge

Die manuelle Behandlung einer schmerzfreien, progredienten blockierenden Kieferöffnungseinschränkung – Case Report

Samstag, 15:10-15:30 Uhr

Referent/in

Gert Groot Landeweer

Einleitung und Anamnese

Berichtet wird über die komplexe, manuelle Behandlung einer schmerzfreien, progredienten blockierenden Kieferöffnungseinschränkung bei einer 28-jährigen Patientin, die mittels Aufbissschienen, Myoreflextherapie und lokale manuelle Therapie für das Kiefergelenk behandelt worden war. Sie stellte sich aus der Universitätsklinik mit der Bitte um einen Versuch zur Reposition vor. Die bereits in der Klinik erfolgten diagnostischen Maßnahmen – einschließlich Bildgebung – wiesen sowohl auf eine muskulär bedingte Einschränkung, als auch auf eine posteriore kondyläre Verlagerung, mit anteriorer Diskusposition und erschwerter kondylärer Reposition hin. Die bisherigen therapeutischen Maßnahmen hatten nur zu temporären Verbesserungen der Kieferöffnung geführt, insgesamt bestand jedoch eine Progredienz der Einschränkung. Bei Vorstellung war eine seit vierzehn Wochen andauernde Kieferklemme vorhanden.

Befunderhebung

Die klinische Untersuchung in der Praxis konnte den bereits diagnostizierten myoarthropathischen Hintergrund der Einschränkung im kraniomandibulären System sowie die Blockade an sich bestätigen. Zudem konnten ebenfalls Dysfunktionen in Kranium, Wirbelsäule und Sakrum sowie in damit zusammenhängenden Faszien festgestellt werden, wobei Wechselwirkungstests einen klinischen Zusammenhang zur möglichen behindernden Muskelspannung in Masseter und Temporalis aufzeigten.

Therapieplan

Es wurde entschieden, eine manuelle Behandlung der Befunde außerhalb des Kausystems durchzuführen und die Befunde innerhalb als Kontrollbefunde anzuwenden. Die Patientin wurde aufgeklärt, ihre Einwilligung fand statt.

Behandlung und Verlauf

Die speziell auf die Befunde ausgerichtete Therapie führte innerhalb von vier Behandlungen, während eines Zeitraums von drei Wochen, zur annähernden Normalisierung des Bewegungsausmaßes. Weitere zehn Behandlungen, in einem Zeitraum von siebzehn Monaten, fanden hauptsächlich zur Beruhigung der Patientin statt, danach konnte mit vollständiger Bewegungsfreiheit abgeschlossen werden. Ein follow-up nach achtzehn Monaten zeigte keine Verschlechterung des durch die Therapie erreichten Zustands.

Analyse

Plädiert wird für eine umfassende Betrachtung bei therapieresistenten, progredienten Kieferöffnungseinschränkungen, eine Sensitisierungsstörung als Hintergrundmechanismus kann vermutet werden.

Literatur

Fußnegger, M.R., Jürp, J.C.: Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Patienten mit orofazialen Schmerzen, DZZ, 71 (5), 2016

Groot Landeweer, G., Reusch, D.: Von gründlicher CMD-Diagnostik zu indikationsgerechter CMD-Therapie, Zahntech Mag, 20 (1-8), 2016

Heymann, W.: CMD und Wirbelsäule – Aspekte der Wechselwirkung. In: Köneke, C.: Craniomandibuläre Dysfunktion, Quintessenz 2010